Wissenswertes: „Schlafen – für AnfängerInnen und Aufgeweckte!“

Wissenswertes: „Schlafen – für AnfängerInnen und Aufgeweckte!“

Schlafen für AnfängerInnen und Aufgeweckte

Diesmal möchte ich Ihnen die Chronobiologie kurz vorstellen – und zwar anhand eines Phänomens, mit dem wir alle regelmäßig Bekanntschaft machen, dem Schlaf.

Vorweg eine Definition:

Die Chronobiologie untersucht, als Teilgebiet der Biologie (=Lehre der belebten Natur), die zeitliche Organisation physiologischer Prozesse und wiederholter Verhaltensmuster von Organismen. (Wikipedia).

Eine zeitliche Organisation, also ein Rhythmus, ist für jeden Organismus wesentlich, vom Einzeller und den Pflanzen bis zu den Menschen. Der Bereich wird seit Jahrzehnten intensiv wissenschaftlich beforscht und 2017 wurde der „Nobelpreis für Physiologie oder Medizin“ an ein Team vergeben, das genau darüber Neues beitragen konnte.
Von all den Rhythmen, die in der Natur vorkommen, sind es vor allem die circadianen Rhythmen, die ungefähr 24 Stunden dauern, die für uns relevant sind, allen voran der Schlaf- Wachrhythmus.
Wir alle müssen schlafen, lebensnotwendigerweise, und zwar rund 1/3 unserer Lebenszeit.. Erst seit etwa 50 Jahren weiß man, dass unser Gehirn der Haupttaktgeber für Schlaf ist.

Was also passiert da, wenn wir einschlafen?

In Stadium 1 dösen wir noch. Unsere Abermillionen Nervenzellen fahren ihre Erregbarkeit zurück und der Hirnstrom (im EEG messbar) wird langsamer. Schon jetzt werden die Kurzzeitspeicher der Erinnerung geleert und kurzzeitig die Umwelt ausgeblendet. In dieser Phase wechseln Wach- und Schlafbewusstsein noch ab.

Sobald wir ganz eingeschlafen sind, finden sich im EEG zuerst nur mehr sog. Thetawellen; wir sind im Schlaf, zuerst ist es noch „Leichtschlaf“ (Stadium 2). Die Nervenzellen synchronisieren nun besonders eng und fahren ihre Erregung hoch und tief („Schlafspindeln“ und sog. K-Komplexe) – dies ist der als Delta-Rhythmus erkenntliche Tiefschlaf.

Er ist wiederum in einen „leichten“ (Stadium 3) und einen „echten“ Tiefschlaf (Stadium 4) unterteilt. Aus dem echten Tiefschlaf sind wir nur schwer zu wecken und wenn, dann ausgesprochen misslaunig. In dieser Schlafphase ist unser inneres Gesamtsystem enorm aktiv!

  • Tags Gelerntes wird sortiert, trainiert, verglichen und mit Emotionen und Sinneseindrücken verknüpft.
  • Es gibt kein nachhaltiges Lernen ohne guten Schlaf!
  • Außerdem arbeitet unser Immunsystem im Schlaf auf Hochtouren.

Etwa alle 1 ½ (Schlaf)Stunden kommt es überdies zum sog. REM-Schlaf, die Augen bewegen sich rapid, der gesamte Körper ist dabei aber fast wie gelähmt. Das Gehirn verrichtet Schwerstarbeit, beinahe wie im Wachzustand, schaltet aber die Muskulatur dabei aus. Dies ist der „Traumschlaf“, aus dem man sogar kurz erwachen kann, aber eben „wie gelähmt“ ist. Das kennen wohl manche von uns. Man kann danach sogar in den selben Traum zurückkehren.
Es gibt eine Schlafarchitektur: in den ersten Schlaf-Stunden sind die Tiefschlafphasen besonders tief, sie werden gegen Wachwerdezeit hin seichter. Die REM-Phasen jedoch werden gegen Morgen hin immer länger. Darum erinnert man sich an die letzten Träume oft noch kurz nach dem Aufwachen.

Junge Menschen haben besonders lange Tiefschlafphasen, ältere Menschen wesentlich kürzere. Auch wird der Schlaf im Alter fragmentiert, es gibt häufiger Aufwachmomente.
Dies hängt wohl vor allem mit der „Master-Clock“, der zentralen Inneren Uhr, im Mittelhirn zusammen, dem zentralen Taktgeber, der an Licht-Dunkel, also Tag und Nacht gekoppelt ist. In speziellen Lichtsensoren der Netzhaut des Auges (Melanopsin-Zellen) wird nonstop die durchschnittliche Helligkeit gemessen und an die zentrale Innere Uhr weitergeleitet. Diese Zentrale leitet dann an jede Körperzelle weiter, ob es Morgen ist, Mittag oder Abend/Nacht. Und diese Information wird dann von den unzähligen kleinen Uhrwerken der Organzellen genutzt, um präzise zu takten und abzustimmen, ob gegessen werden soll, verdaut, aktiv sich bewegt, gelernt, Krankheiten bekämpft, geschlafen usw.

Diese zentrale innere Uhr synchronisiert sozusagen alle Prozesse, und sie braucht als Anreiz Licht und Dunkelheit!

  • Sie braucht tagsüber sehr helles Licht, Tageslicht eben
  • abends einen Übergang, Dämmerung …
  • und nachts Dunkelheit, völlige Dunkelheit.

Nur dann funktioniert sie. Wenn wir das chronisch missachten, gegen die Natur leben, geht unser Gespür für Zeit verloren, mit fatalen Folgen: Schlafstörungen, Neigung zu Übergewicht, Depression, Verdauungsstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen usw.

 

mit lieben Grüßen für den Tag
und auch für die Nacht

Dr. Eva Sauberer

 

 

 

Peter Sauberer

Evas Website-Admin

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